Neuer Gebührenschock: Sparkassen verlangen Geld fürs Abheben – n-tv.de

Experten hatten diesen Schritt erwartet, nun machen 40 Sparkassen Ernst und fordern fürs Geldabheben Gebühren. Die Bargeldversorgung wird wohl bald flächendeckend etwas kosten.

Lautete die gute Nachricht vor wenigen Tagen noch, dass die Sparkassen auch in Zukunft keine Strafzinsen für den Otto-Normal-Kunden erheben wollen, langen diese nun an anderer Stelle hin. Wie das Finanzportal “biallo.de” berichtet, verlangen 40 von insgesamt 400 Sparkassen in Deutschland Gebühren für das Geldabheben.

Demnach fällt je nach Kontomodell bis zu einem Euro an Gebühr für die Bargeldversorgung am Automaten an. Wollen Kunden am Schalter Bares, ist die Zahl der Geldhäuser noch deutlich höher, die das dem Kunden in Rechnung stellen.

Der Sparkassen- und Giroverband betonte: “Das Abheben an einem der rund 25.000 Geldautomaten der Sparkassen ist für Kunden der Sparkassen natürlich nach wie vor kostenlos.” Nur wer ein entsprechendes Kontomodell wähle, zahle wie bei anderen Instituten auch Gebühren für Abbuchungen.

Die Zahl der betroffenen Kunden ist dem Bericht zufolge noch nicht bekannt. Dafür werden einige Beispiele genannt:

  • So gewährt die Sparkasse Wittgenstein Kunden zwar fünf kostenlose Bargeldabhebungen am Automaten, verlangt dann aber für jede weitere Abhebung einen Euro.
  • Die Sparkasse Rottach-Inn erlaubt Kunden gerade zweimal im Monat den kostenlosen Service am Automaten. Danach kostet das Geldabheben immer 0,50 Euro.
  • Die Sparkassen in Grebenstein und Bad Sachsa verlangen schon bei der ersten Nutzung des Geldautomaten eine Gebühr von 0,50 Euro.

Zehn Sparkassen reagierten nicht auf die Anfrage von “biallo.de”, ob betroffenen Kunden die Gebühren am Automaten auch angezeigt werden.

Experten waren sich indes bereits vor Monaten sicher, dass es eine kostenlose Bargeldversorgung künftig wohl nicht mehr geben wird. So auch der Bankprofessor Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt, der anmerkte: “Verbraucher müssen am Schalter für Bargeld zahlen. Bei der Nutzung von bankeigenen Geldautomaten wird schon in ein, zwei Jahren ein Entgelt fällig werden.”

Eine Prognose, die n-tv.de-Gastautor und Gründer der FMH-Finanzberatung Max Herbst teilte: “Bei den Filialbanken wird es eine monatliche Gebühr geben. Buchungen wie beispielsweise Überweisungen, Bargeldversorgung oder Daueraufträge werden etwas kosten.”

Banken und Sparkassen machen für die Gebührenoffensive die Niedrigzins- beziehungsweise Strafzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich – erschwert diese den Banken und Sparkassen doch das Geldverdienen. Denn diese verdienen im Grunde mit drei Dingen Geld: 1. Sie verleihen es teurer, als sie es geliehen bekommen. 2. Sie nehmen Gebühren für ihre Dienstleistungen. 3. Sie bekommen Provision, weil sie den Leuten etwas verkaufen.

Da Punkt 1 durch die EZB-Maßnahmen nahezu wegfällt und Punkt Nr. 3 dank verbessertem Verbraucherschutz auch weniger ertragsträchtig ist, konzentrieren sich die Geldinstitute vor allem auf den verbliebenen Punkt – die Gebührenerhöhung.

Verbraucherschützer bemängeln erwartungsgemäß das Vorgehen der Sparkassen und fordern die Politik auf, einzuschreiten. Darüber hinaus legt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen betroffenen Kunden nahe, zu handeln: “Es obliegt selbstverständlich jedem Kunden und jeder Kundin nach einer Erhöhung von Entgelten selbst zu entscheiden, ob der Wechsel zu einer anderen Bank für sinnvoll erachtet wird”.